Das „Wundermittel“ DMSO erfreut sich seit geraumer Zeit wachsender Beliebtheit. Schmerzen, Entzündungen, Gelenkprobleme, ja sogar Krebs sollen damit behandelbar sein. In diesem Beitrag erfahren Sie alles Relevante über das sog. Heilmittel DMSO, seine Wirkung und Möglichkeiten zur Anwendung, aber auch seine Risiken und Nebenwirkungen.

 

DMSO: Die Definition

DMSO ist die Abkürzung für Dimethylsulfoxid, einer bei Raumtemperatur farb- und geruchlosen Flüssigkeit, die seit dem letzten Jahrhundert als aprotisches Lösungsmittel in der chemischen Industrie verwendet wird.

(Erklärung für chemisch Interessierte: Es gibt aprotische und protische Lösungsmittel. Aprotisch bedeutet dabei, dass der jeweilige Stoff oder das jeweilige Molekül nicht über eine funktionelle Gruppe verfügt, die Protonen (positiv geladene Teilchen) in die Lösung abgeben kann. Im Gegensatz hierzu geben protische Lösemittel Protonen in die Lösung ab.)

 

DMSO fällt unter anderem in grösseren Mengen als Nebenprodukt bei der Holzzellstoffproduktion an. Auch in der pharmazeutischen Industrie wird DMSO gemeinsam mit Wasserstoffperoxid als Lösungsmittel und Auszugsmittel für viele Prozesse verwendet. (Es oxidiert beispielsweise in der Swern-Oxidation Alkohole zu Aldehyden und Ketonen.)

 

Ziemlich bald nach seiner Entdeckung als Lösungsmittel erkannte man bereits, dass Dimethylsulfoxid in der Lage ist, die Aufnahme von anderen Stoffen durch die Haut und Schleimhäute zu erhöhen – man spricht von einer sogenannten penetrationsfördernden Wirkung. Aus diesem Grund wird Dimethylsulfoxid heutzutage oft mit anderen äusserlich anzuwendenden Substanzen kombiniert, um deren Resorption zu verbessern.

 

Wie wirkt DMSO?

Der penetrationsfördernde Effekt kommt durch die Interaktion mit den Lipiden der Zellmembran zustande. DMSO bringt deren regelmässige Struktur durcheinander und begünstigt damit die Aufnahme anderer Wirkstoffe.

 

DMSO verstärkt Wirkung von Medikamenten

So konnte eine Kombination aus Dimethylsulfoxid und dem Zytostatikum 5-Fluoruracil in der Therapie bei Warzen bessere Ergebnisse erzielen, als die Gabe von 5-Fluoruracil allein (1). Ein Zytostatikum ist ein Medikament, das die Zellvermehrung hemmt und daher u. a. bei Chemotherapien eingesetzt wird. 5-Fluoruracil beispielsweise wird bei der Chemotherapie von Darm- und Brustkrebs verabreicht. In niedriger Dosierung kann das Mittel aber auch äusserlich bei Warzen angewendet werden (Verrumal®), da es toxisch auf diese Hauterkrankung wirkt.

 

Ebenso wird DMSO in einigen freiverkäuflichen Präparaten mit Heparin kombiniert (z. B. Dolobene® Sport Gel), um das Eindringen von Heparin ins Unterhautgewebe zu verstärken. Damit können stumpfe Verletzungen und Blutergüsse schneller abheilen, denn Heparin wirkt der Blutgerinnung entgegen und verbessert auf diese Weise die Rückbildung von Blutergüssen.

 

DMSO ist ein Schwefeldonor und wirkt auf diese Weise antioxidativ

Neben seinen penetrationsfördernden Wirkungen vermittelt DMSO auch eigene pharmakologische Effekte. Es wirkt antiphlogistisch (entzündungshemmend), antioxidativ und analgetisch (schmerzstillend), ausserdem wundheilungsfördernd und antimikrobiell (ähnliche Eigenschaften wie Propolis).

 

Viele dieser vorteilhaften Eigenschaften beruhen auf der Tatsache, dass DMSO ein Schwefeldonor ist. Das bedeutet, es versorgt den Körper mit Schwefelatomen. Bestimmte Verbindungen des menschlichen Körpers, zum Beispiel die Aminosäuren Cystein, Methionin, Taurin und einige darauf aufbauende Enzyme und Proteine enthalten ebenfalls Schwefel.

 

Damit ist dieses Element essentieller Bestandteil von lebenden Zellen. Die genannten Aminosäuren und Enzyme spielen alle eine wichtige Rolle bei zahlreichen antioxidativen Stoffwechselvorgängen. Der im DMSO enthaltene Schwefel wird im Körper enzymatisch freigesetzt, zur Bildung dieser Aminosäuren und Enzyme herangezogen und erhöht somit die antioxidative Kapazität des Körpers.

 

DMSO lindert Schmerzen und Entzündungen

Gleichfalls wird durch Dimethylsulfon, ein Abbauprodukt von DMSO, ein bedeutender entzündungsfördernder Faktor, das NF-κB, in seiner Aktivität gehemmt. In der Folge werden dadurch weniger schmerz- und entzündungsverursachende sowie gefässerweiternde Botenstoffe wie Interleukin-1, Interleukin-6 und Tumor-Nekrose-Faktor-alpha gebildet (2). Das oben genannte NF-κB steht für nuclear factor ‚kappa-light-chain-enhancer‘ of activated B-cells.

 

DMSO und seine Abbauprodukte

Studien haben gezeigt, dass sich Dimethylsulfoxid, wenn es eingenommen, intravenös verabreicht oder auf die Haut aufgetragen wird, rasch in den Zellen zu Dimethylsulfid (DMS) und Dimethylsulfon zersetzt. Ersteres ist für eine Besonderheit des DMSO verantwortlich: Den knoblauchartigen Mundgeruch.

 

Obwohl DMSO selbst absolut geruchsneutral ist, erzeugt es bei manchen Menschen, selbst nach Auftragen auf die Haut, einen knoblauchartigen Mundgeruch (3). Daran dürften spezielle Rezeptoren auf Nervenzellen beteiligt sein. Diese Rezeptoren werden normalerweise durch Geruchsreize aktiviert, doch Dimethylsulfid ist dazu ebenso imstande. Infolge der Aktivierung dieser Rezeptoren wird dem Organismus das Signal für „Geruch von Knoblauch“ vermittelt.

 

Das zweite Abbauprodukt Dimethylsulfon besitzt einen weiteren, wesentlich bekannteren, Namen und zwar Methylsulfonylmethan (MSM), auch als organischer Schwefel bezeichnet.

 

Anwendungsgebiete von DMSO

DMSO bewährt sich sehr gut für die Behandlung von:

 

  • Beschwerden bei Prellungen und Schwellungen
  • Beschwerden bei Verstauchungen
  • Beschwerden bei Zerrungen
  • Beschwerden bei stumpfen Traumen
  • Beschwerden bei Sportverletzungen
  • Beschwerden bei Blutergüssen
  • Beschwerden bei Durchblutungsstörungen
  • Beschwerden bei lokalisierter Arthrose und Arthritis (zum Beispiel Hand- oder Kniegelenksarthrose)